St. Ottilien – Zehn Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums St. Ottilien haben in ihrem P-Seminar Geschichte einen Audio-Rundgang durch das Klosterdorf erarbeitet. Die Beiträge zur Abteikirche, Kloster, Schule, zum Liberation Concert von 1945 und zum Circus St. Ottilien sind ab sofort in der BayernHistoryApp zu hören.

Gerüchte gab es zur Genüge: unterirdische Gänge, versteckte Türen, verschlossene Räume im Kloster. Die zehn Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums St. Ottilien hielten sich an die harten Fakten und begannen mit der Abteikirche. Ein Schuljahr später ist daraus ein Audio-Rundgang durch das Klosterdorf der Erzabtei St. Ottilien geworden. Wer wissen will, was sie herausgefunden haben, kann die Beiträge ab sofort in der BayernHistoryApp hören.

Dabei sind Handys am Gymnasium während der Schulzeit verboten. Ausgerechnet hier produzierte ein P-Seminar Geschichte nun Inhalte für das Smartphone. Das P-Seminar, das einjährige Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung an bayerischen Gymnasien, verlangt ein praxisbezogenes Projekt mit externen Partnern. Die Gruppe wählte ihren eigenen Schulort, den sie täglich besucht und doch erst beim Schreiben über ihn richtig kennenlernte. Betreut von Lehrer Felix Heilbrunner und fachlich begleitet von Wolfgang Hauck und Alois Kramer von der Redaktion der App BayernHistory recherchierten die Jugendlichen über mehrere Monate in Archiven, sprachen mit Menschen, die den Ort seit Jahrzehnten kennen, schrieben Texte, nahmen Audio auf und fotografierten.

Der Rundgang führt durch die Abteikirche mit ihren verschiedenen Bereichen. Er dokumentiert mit einem Foto des Liberation Concert vom Mai 1945, bei dem Überlebende der Konzentrationslager in St. Ottilien auftraten, wo nach Kriegsende ein Krankenhaus für Displaced Persons eingerichtet war. Ein weiterer Beitrag stellt den Circus St. Ottilien vor, bei dem alle drei Jahre das ganze Dorf mitwirkt.

„Das war viel mehr Arbeit, als wir gedacht hatten: einen Text, Audio und Bilder so zusammenzustellen, dass es für Besucherinnen und Besucher unterhaltsam und zugleich fachlich und sachlich korrekt ist“, sagt Amelie Wagner, die die Kommunikation der Schülergruppe mit der Redaktion koordinierte. „Genau dadurch haben wir sehr viel darüber gelernt, was hinter einem Audio-Rundgang steckt.“

„Beeindruckt hat mich, wie sich die Schülerinnen und Schüler in das Steuern einer Drohne, den Audioschnitt und die Fotoaufnahmen vertieft haben“, sagt Lehrer Felix Heilbrunner. „Für mich zählt der Arbeitseinsatz, für die Redaktion zählt allein das Ergebnis – gerade an diesem Unterschied lernen die Jugendlichen die Anforderungen der Arbeitswelt kennen.“

Und die versteckten Türen? Zum Abschluss nahm Schulleiter Andreas Walch die Gruppe beim Wort. Die Erkundung führte nicht nur in Keller und Krypta, sondern auch in den Vorführraum des Kinos und auf das Dach des Schulgebäudes. Dort oben, hoch über den Dächern des Klosterdorfs, entstand das Abschlussfoto der Gruppe – vor einem Ausblick, den es bald nicht mehr gibt: Das Gebäude wird umgebaut.

Wolfgang Hauck sagt zum Anspruch des Projekts: „Hier geht es nicht darum, ob man eine Zwei oder Drei als Note erhält – bei uns gibt es nur ein Best-of. Die Beiträge werden veröffentlicht, müssen sich fachlicher Kritik stellen und die Zuhörerinnen und Zuhörer überzeugen.“

Mit St. Ottilien arbeitet bereits das dritte P-Seminar mit der BayernHistoryApp zusammen. Die Hochbegabtenförderung in Schwaben erarbeitet derzeit Beiträge zu Dillingen und Nördlingen. Das Gabriel-von-Seidl-Gymnasium in Bad Tölz qualifizierte sich mit dem Format für eine Förderung im Programm „denkmal aktiv“. Für ein Schulprojekt zur Herstellung von Schulmaterialien zu den Rundgängen zum ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII und zu Gedenkorten in Landsberg am Lech steht eine lokale Finanzierung bisher aus.

Die Beiträge aus St. Ottilien sind eine erste Auswahl. Wer sie hören will, braucht nur ein Handy mit der App – nach Schulschluss.