Dießen – Wehmut prägte die Pressekonferenz zum bevorstehenden Ende des Denkerhauses in der Sonnenstraße. Nach fast 14 Jahren muss die Ammersee Denkerhaus eG die seit 2013 von der Marktgemeinde gemieteten Räume am 30. Oktober zurückgeben. Die Vorstände blickten auf gemeinsame Arbeit, Begegnungen und Projekte zurück. Zugleich machten sie deutlich: Mit dem Verlust des Hauses müssen die Ideen und Verbindungen, die dort entstanden sind, nicht verschwinden. Aus dem Ende könnte auch etwas Neues wachsen.
Das Denkerhaus war mehr als eine Bürogemeinschaft. Menschen unterschiedlicher Berufe arbeiteten unter einem Dach, tauschten Erfahrungen aus und entwickelten Vorhaben. Nach Angaben der Genossenschaft nutzten insgesamt rund 300 Menschen das Angebot. Zuletzt standen 15 Schreibtischarbeitsplätze zur Verfügung, sieben Unternehmen hatten dort ihren Firmensitz. Die Einzel- und Zweierbüros seien dauerhaft vermietet gewesen.
Über die Region hinaus fand das Konzept Anerkennung. Das Denkerhaus beteiligte sich an der Kleinstadtakademie und europäischen Projekten zum wohnortnahen Arbeiten. Mit der Hochschule München entstand der „Innovationsarchipel Ammersee“, der Austausch und Zusammenarbeit in der regionalen Wirtschaft fördern soll. In Unterstützerschreiben würdigten Partner das Denkerhaus als Beispiel dafür, wie gemeinschaftliches Arbeiten auch im ländlichen Raum neue Impulse setzen kann.
Umso größer war bei der Pressekonferenz die Enttäuschung über das Ende am bisherigen Standort. Hintergrund ist ein Konflikt mit der Marktgemeinde über die Mietbedingungen und die Abrechnung der Heizkosten. Nach Darstellung des Vorstands stiegen die monatlichen Nebenkosten von ursprünglich 350 auf zuletzt 800 Euro. Eine vorübergehend vereinbarte Begrenzung der Gesamtmiete wurde vom neuen Gemeinderat nicht fortgesetzt.
Die Genossenschaft kündigte daraufhin am 28. Juni den Mietvertrag. Damit habe sie jedoch nicht den Standort aufgeben, sondern neue vertragliche Bedingungen aushandeln wollen, betonten die Verantwortlichen. Sie verwiesen insbesondere auf ihre langjährige Forderung nach einer getrennten Wärmemengenzählung. Nach der Ausschreibung der Räume habe zunächst Hoffnung auf eine Fortsetzung bestanden. Die negative Entscheidung des Gemeinderats sei dem Denkerhaus am 14. Oktober mitgeteilt worden. Die Darstellung der Auseinandersetzung beruht auf den Angaben der Genossenschaft; eine Stellungnahme der Marktgemeinde liegt hierzu nicht vor.
Wie es weitergeht, ist offen. Die zuständigen Gremien der Genossenschaft müssen darüber beraten. In den kommenden Wochen wollen die Verantwortlichen Gespräche über neue Räume und andere Formen der Zusammenarbeit führen. Angebote und Ideen seien willkommen. Für Anfang des kommenden Jahres ist ein „Fest der Kooperation und Gemeinschaft“ mit Partnern vorgesehen.
So blieb neben der Wehmut auch Zuversicht. Ein vertrauter Ort geht verloren. Doch die Überzeugung, dass die Ammersee-Region Räume für Austausch, gemeinschaftliches Arbeiten und neue Ideen braucht, besteht fort. Diese Botschaft bestimmte den Blick nach vorn.